Das Internet hat ein Problem: oftmals werden gewisse Informationen immer und immer wieder repliziert – auch wenn sie ursprünglich vielleicht gar nicht perfekt recherchiert wurden. Woran das liegt? Das Internet ist Recherche- und Veröffentlichungsraum in Einem. Ein Autor recherchiert für einen Artikel im Netz. Und veröffentlicht seinen Artikel im Netz. Wenn nun eine bestimmte Quelle im Netz veraltet oder schlecht recherchiert ist, aber über Google gut auffindbar, dann kann es passieren, dass eben diese Quelle immer und immer wieder in verschiedenen Artikeln zitiert oder als Recherchegrundlage verwendet wird – bis die dort kolportierte Information eben zur „Wahrheit“ wird.

Dies kann, insbesondere im Bereich der Politik, verheerende Auswirkungen habe, auf die wir in diesem Artikel jedoch nicht eingehen wollen. Wir wollen über die Auswirkungen sprechen, die kleine gefrässige Tiere in Türen und Wänden haben können: Termiten. Meine (deutschsprachige) Nachbarin bekam vor einigen Tagen die Hiobsbotschaft, dass Ihre erst kürzlich erstandene Wohnung einen Termitenbefall habe. Wenn man nun nach Termiten in der Wohnung googelt, trifft man bei jedem deutschsprachigen Artikel im ersten Abschnitt auf den Satz: „Termiten können ein ganzes Haus zum Einstürzen bringen“. Boom. Keine Information, die man als frischgebackene Hausbesitzerin gerne hört. Und auch wenn man, je nach Vertragsart, in den ersten 6 Monaten von einem Kauf zurücktreten kann, ist das definitiv nicht das, was man sich für sich selbst und das eigene Zuhause wünscht. Termiten würden laut dieser Artikel eine existenzielle Gefahr für ein Gebäude darstellen, da sie je nach Art nicht nur Holz fressen (Holztermiten), sondern auch die Wände (Erdtermiten). Für den Laien heißt das: es gibt hier Millionen kleine Tiere, die mir gerade mein Haus auffressen!

Gespräche mit spanischen Nachbarn hingegen laufen bedeutend entspannter ab als die deutschsprachige Recherche: „Ja, hatte ich auch mal.“ „Mach Dir keine Sorgen.“ Man könnte zunächst annehmen, dass das einfach an der angeblich sorgloseren Art der Südländer liegt. Taucht man aber tiefer in die Problematik ein, stellt man schnell fest, dass es in Deutschland, bis auf einen Ausnahmefall in Hamburg, gar keine wirkliche Termitenproblematik gibt. Was im Umkehrschluss bedeutet: echte Erfahrungen im deutschsprachigen Raum sind rar gesät. Dementsprechend sollten die im Internet verfügbaren Informationen kritisch betrachtet werden. Möglicherweise wurde hier einfach eine ursprüngliche (und stark emotionale) Botschaft immer und immer wieder kopiert, ohne dass tatsächliche Erfahrungen sie widerlegen konnten?

Wenn der Zimmerboden plötzlich so aussieht, ist es schwierig, ruhig zu bleiben.

Was für das Googeln nach Krankheiten gilt, kann also auch für das Googeln nach Schädlingen in Spanien gelten. Wie geht man also besser vor? Im Idealfall kontaktiert man direkt einen Fachmann. Denn auch wenn man von spanischer Seite ein „¡No te preocupes!“ hört: je länger man ein Termitenproblem verschleppt, desto größer wird es. Denn die Tiere sind wirklich, wirklich hungrig und gefrässig. Und je nachdem, wie groß der Holzanteil des Gebäudes ist, können die Schäden tatsächlich massiv sein.

An einen guten Kammerjäger zu kommen, kann jedoch ebenfalls schwierig sein. Insbesondere in April und Mai sind die Ghostbuster in der Region gut beschäftigt. Das liegt daran, dass Termiten fast das gesamte Jahr unbemerkt ihr Unwesen treiben, wenn sie sich im Dunkeln durch das Holz im Haus fressen. Nur in April und Mai kommen die Geschlechtstiere, neben Arbeitern und Soldaten die 3. Klasse der Termiten, aus ihren Verstecken, um sich zu paaren und zu vermehren. Dann werden sie sichtbar und die Kammerjäger sind schnell ausgebucht. Denn ganz ehrlich: so eine Horde Kleintiere, die plötzlich irgendwo auftauchen, ist nicht angenehm! Doch auch im Hinblick auf die Geschlechtstiere eine gute Nachricht: diese kleinen geflügelten Liebesbotschafter fressen nichts, also keine Möbel, Kleidung oder ähnliches, sie stechen nicht, stellen auch sonst keine Gefahr dar und sterben von selbst innerhalb von 24 Stunden (naja, wenn man sie so lange herumkriechen lässt). Durch ihre Flirtversuche im Tageslicht verraten sie den Hausbesitzern nur, dass es die Kolonie der Termiten in der Wand überhaupt gibt. Von daher: Termiten gesichtet – Kammerjäger rufen!

Hat man einen erreicht, begutachtet dieser die Situation und schlägt verschiedene Lösungswege vor. Die üblichen Vorgehensweisen sind entweder die Injektion eines Giftes in Wände oder den Boden oder das Auslegen von Fallen, eine Prozedur, die nachhaltiger funktionieren soll, allerdings auch 5 Jahre andauert. Die Kosten liegen bei ca. 2.200 EUR plus IVA, je nach zu behandelnder Fläche und gewählter Kampfstrategie. Es macht hier, wie sonst auch, Sinn, verschiedene Angebote einzuholen. Einige Anbieter machen sich die Angst und Sorge der Hausbesitzer zu Nutze, um kräftig abzukassieren. Angebote wie „90 EUR pro qm“ sind dann keine Seltenheit. Und ganz ehrlich: zusätzlich zu den gierigen Tierchen braucht man nicht noch gierige Dienstleister.

Abschließend lässt sich also sagen: Termiten sind ein Problem, aber kein unlösbares. ¡No te preocupes!

Foto: Roberto Carlos Román Don