Campo de Gibraltar / Cádiz. Nach einer angespannten Nacht gibt es vorsichtige Entwarnung im südlichen Andalusien: Die 271 Familien, die vorsorglich wegen der heftigen Auswirkungen der Sturmtiefs Francis evakuiert worden waren, können in ihre Häuser zurückkehren. Das teilte die andalusische Notfallbehörde nach einer Neubewertung der Lage im Einsatzstab in San Roque mit.
Die Evakuierungen hatten vor allem Gebiete unterhalb des Embalse de Guadarranque betroffen – darunter Guadarranque, Taraguilla, Estación de San Roque sowie die Urbanisation Guadacorte in Los Barrios.
Eine Nacht im Ausnahmezustand
Der andalusische Regionalminister Antonio Sanz sprach von einer „extrem komplexen“ Situation in der Nacht. Zeitweise flossen rund 300 Kubikmeter Wasser pro Sekunde in den Stausee, was einem Anstieg von 23 Hektometern entsprach – eine Menge, die laut Sanz dem fünfmonatigen Wasserverbrauch des gesamten Campo de Gibraltar an nur einem Tag gleichkommt.
Besonders eindrucksvoll waren die Niederschlagsmengen:
- 260 Liter pro Quadratmeter in Guadarranque
- 280 Liter pro Quadratmeter in Jimena de la Frontera
Der Stausee von Guadarranque erreichte zwischenzeitlich 100 % seiner Kapazität – eine absolute Grenzsituation. Zwar wird derzeit kontrolliert Wasser abgelassen, doch die Behörden warnen weiterhin vor Gefahren durch anschwellende Flüsse, starke Oberflächenabflüsse und nachlaufende Hochwasser.
Lage in Málaga weiterhin angespannt
In ganz Andalusien registrierte die Agencia de Emergencias de Andalucía insgesamt 441 Einsätze. Besonders betroffen waren die Provinzen Málaga und Cádiz.
Mehrere Straßen bleiben vorerst gesperrt, darunter:
- A-7057 (Cártama)
- MA-3304 (Alhaurín el Grande)
- MA-5401 (Casarabonela)
- CA-8200 (San Martín del Tesorillo)
- A-2101 und A-2102 (Jimena)
- A-405 (Gaucín)
- Verbindung Medina Sidonia – Chiclana de la Frontera
In Monda kam es zum Einsturz eines Gebäudes, zwölf Familien mussten dort evakuiert werden. In Estación de Cártama sind Einsatzkräfte weiterhin mit Aufräum- und Sicherungsarbeiten beschäftigt.
Keine Verletzten – Lob für die Bevölkerung
Trotz der dramatischen Lage betonte Sanz, dass keine Personenschäden zu beklagen seien. Ein wesentlicher Faktor dafür sei die hohe Disziplin der Bevölkerung gewesen. Er hob besonders den Einsatz des Warnsystems ES-Alert hervor:
„Zum ersten Mal wurden an einem einzigen Tag zwei Warnmeldungen verschickt – und sie wurden als klare Anweisungen verstanden, nicht als bloße Empfehlungen.“
Fazit
Die Situation im Campo de Gibraltar bleibt aufmerksam zu beobachten, doch die unmittelbare Gefahr hat sich entschärft. Die kommenden Stunden und Tage werden zeigen, wie schnell sich Flüsse und Böden von diesen außergewöhnlichen Wassermassen erholen können. Die Behörden mahnen weiterhin zur Vorsicht – insbesondere in Flussnähe und auf noch gesperrten Straßen.
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