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Gibraltar

Die Iberische Halbinsel könnte wohl hinsichtlich der Kultur nicht vielfältiger sein. Neben den typisch südländischen Lebensweisen in Portugal, Andorra und Spanien liegt ganz unscheinbar ein kleines englisches Juwel am südlichsten Punkt der Halbinsel: Gibraltar. Das britische Hoheitsgebiet hat eben in dieser Mitte, zwischen britischer und spanischer Kultur seinen ganz eigenen Charme. Es liegt an der Nordseite der Meerenge "Straße von Gibraltar", dem Punkt, an dem sich Afrika und Europa am nächsten sind. Seinen Spitznamen trägt das Überseegebiet völlig zu Recht: Gibraltar, der Felsen. Diese wohl größte Sehenswürdigkeit in Gibraltar ist der Upper Rock, der den größten Teil des Überseegebiets umfasst und daher von keiner Stelle der Halbinsel aus übersehen werden kann. Durch dieses besondere Gestein, ist fast ganz Gibraltar unter Naturschutz gestellt. Und die wohl süßeste Sehenswürdigkeit hängt gleich damit zusammen: die Berberaffen, die es sich von Marokko kommend auf den Felsen bequem gemacht haben und seither die Touristen anziehen und amüsieren.
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Gibraltar: Geschichte, Politik und Gesellschaft

Das kleine Stück Land an der Spitze der iberischen Halbinsel ist gerade mal 6.5 Quadratkilometer groß und hat rund 32.000 menschliche Bewohner und einige Dutzende Affen, die auf dem großen Felsen von Gibraltar leben. Es hat aber immer schon große politische Bedeutung. Schließlich liegt es an einer sehr exponierten Stelle an der sich Europa und Afrika an der Straße von Gibraltar am nächsten kommen. Die Festung Gibraltar bewachte immer schon den Eingang vom Atlantik ins Mittelmeer.

Das Gibraltar zu Großbritannien gehört, obwohl es praktisch in Spanien liegt, ist eine sehr alte Geschichte, die mit dem Spanischen Erbfolgekrieg von 1701 bis 1714 begann und im Jahr 1713 mit dem "Frieden von Utrecht" ihren bisherigen Abschluss fand. Damals musste Spanien das Gebiet offiziell an das Königreich Großbritannien abtreten. In den nächsten hundert Jahren wurden verschiedene Schlachten um Gibraltar ausgetragen, trotzdem ist es seit 1830 britische Kronkolonie.

Der Streit um die britische Enklave mit dem berühmten Felsen ist immer noch irgendwie im Gange, weil Spanien ebenfalls immer wieder Besitzrechte anmeldet. Im Streit zwischen den beiden Ländern geht es um Fischereirechte, um verschärfte Kontrollen gegen die illegale Einwanderung von Menschen aus Afrika, um Schmuggel, um Luftverschmutzung und um die Beziehungen zwischen Gibraltar und der EU. Vor allem aber scheint es Großbritannien um seinen internationalen Ruf in der Welt und um den Ruf des Empires zu gehen. Schließlich war die Festung Gibraltar im 19.Jahrhundert gemeinsam mit der Straße von Suez, mit den türkischen Meerengen und mit Singapore eine der wichtigsten Positionen Englands und des Empires. Die Zeit ist längst vorbei und den Briten ist einzig und allein Gibraltar als Symbol ehemaliger Macht geblieben. Das erklärt einen großen Teil der hohen Symbolkraft dieses Fleckchens Erde.

Und Spanien? Aus spanischer Sicht gehört Gibraltar nicht zu Großbritannien und die Tatsache, dass die Briten auf ihren alten Rechten beharren, empfindet die spanische Regierung als sehr schmachvoll. Sie fordert deshalb langfristig eine Rückgabe des Territoriums von Gibraltar an Spanien und kurzfristig eine zweigeteilte spanisch/britische Souveränität mit Sonderrechten für die Bewohner. Sie weisen unter anderem daraufhin, dass durch den Austritt Großbritanniens aus der EU sich die Lage an der Grenze zwischen Gibraltar und Spanien völlig geändert hat. Schließlich arbeitet die Hälfte aller Einwohner von Gibraltar in Spanien, besonders in der benachbarten Stadt La Linea und tätigt dort ihre Geschäfte. Noch dazu hat nur etwa ein Viertel von ihnen tatsächlich britische Wurzeln. Die meisten Bewohner stammen heute aus Spanien, Italien und Portugal. Allerdings muss in dem Zusammenhang auch erwähnt werden, dass bei einem Referendum über 90 Prozent von ihnen angaben, britische Staatsbürger bleiben zu wollen. Das Tauziehen um Gibraltar ist also noch lange nicht zu Ende.

Die Straße von Gibraltar

Die Straße von Gibraltar verbindet den Atlantik mit dem Mittelmeer. Sie wird im Norden von der britischen Kronkolonie Gibraltar und Spanien sowie im Süden von Marokko eingefasst. Im Norden befindet sich die südlichste europäische Stadt Tarifa und im Süden die spanische Enklave Ceuta. Die Meerenge ist etwa 60 Kilometer lang und 14 bis 44 Kilometer breit. Sie hat eine Tiefe von bis zu 900 Metern unter dem Meeresspiegel.

Die Straße von Gibraltar, die zu den am meisten befahrenen Wasserstraßen der Welt zählt, wird täglich von etwa 300 Schiffen passiert. Dennoch galt sie lange Zeit als ein schwer zu überwindendes Hindernis. Da das Niveau des Mittelmeeres etwa 1,4 Meter unter dem des Atlantiks liegt, gibt es hier viele Westwinde, die sich in der Meerenge verstärken. Da in der Straße etwa eine Million Kubikmeter Wasser pro Sekunde vom Atlantik in das Mittelmeer fließt, herrscht dort eine starke Strömung. Gleichzeitig gibt es eine Gegenströmung, bei der etwas weniger aber salzhaltigeres Wasser vom Mittelmeer in den Atlantischen Ozean fließt. Durch die höhere Sonneneinstrahlung verdunstet im Mittelmeer viel Wasser, was zu einer höheren Salzkonzentration führt. Das schwere, salzhaltige Wasser sinkt über die Gibraltarschwelle in den Atlantik und dort in weitere Tiefen ab. Es fließt entlang der iberischen Halbinsel weiter nach Norden.

Die Meerenge wird von den Spaniern „Estrecho“ und von den Briten „Strait of Gibraltar“ genannt. Am berühmten Felsen von Gibraltar bildet sich oft Nebel, der vom Westwind weiter in die Meerenge befördert wird. Großbritannien und Spanien unterhalten militärische Stützpunkte, um den Schiffsverkehr der Meerenge zu kontrollieren. Allerdings schafften es deutsche U-Boote während des Zweiten Weltkrieges, diese Überwachung zu durchbrechen.

Wegen der Nähe zur Küste von Marokko versuchen seit Jahren Geflüchtete nach Europa zu gelangen. Allerdings machen die starke Strömung und die Winde diese Überfahrt auf meistens überladenen Booten zu einem gefährlichen Vorhaben, welches nicht selten tödlich endet. Jedes Jahr sterben mehrere Hundert Menschen bei dem Versuch, die Meerenge zu durchqueren.

Durch ihre einmalige Lage besticht die Straße von Gibraltar mit einer artenreichen Flora und Fauna. Über 19.000 Pflanzen- und Tierarten wurden gezählt. Die Wasserstraße wird regelmäßig von Meeressäugern genutzt. Neben dem Fischreichtum gibt es versunkene Schiffe aus unterschiedlichen Epochen mit ihren untergegangenen Schätzen zu bewundern.

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