Arbeitslosigkeit in Andalusien

2020

Die eindeutigen Verlierer der Corona-Krise sind alle Länder, die sich vorwiegend dem Tourismus verschrieben haben. Einer der Spitzenreiter in Europa ist das Land Spanien. Urlaubsgebiete an der südlichen Atlantikküste Costa de la Luz sowie dem Mittelmeer sind besonders in Mitleidenschaft gezogen worden. Die Situation für Andalusien ist prekär. Seit Beginn der Corona-Pandemie wurden in der autonomen Gemeinschaft rund zweihunderttausend Arbeitsplätze zerstört. Und dies scheint erst der Anfang, denn der Zusammenbruch des Arbeitsmarktes setzt sich weiterhin in den am stärksten touristisch geprägten Regionen fort.

Explosion der Arbeitslosigkeit in den Urlaubsgebieten

Eines der beliebtesten Reiseziele der Deutschen ist die Costa del Sol. Urlaubsorte wie Marbella, Nerja und Málaga ziehen Jahr für Jahr zahlreiche Urlauber an die Strände der Mittelmeerküste. Auch die Costa de la Luz steht ganz oben auf der Liste der beliebten Ferienziele, wenn es um Strandurlaub geht. Die Strände von Cádiz zählen dabei zu den Top-Favoriten.

Doch nun hat Deutschland ganz Spanien zum Risikogebiet erklärt. Was passiert also mit den Beschäftigten der Tourismus-Branche? Die Autonome Gemeinschaft von Andalusien sieht schwarz. Die Regionalministerin für Beschäftigung, Ausbildung und Selbständigkeit hat gegenüber der Europa Press eingestanden, dass die Arbeitslosenquote unter bestimmten ungünstigen Umständen mit der aktuellen Corona-Pandemie bis auf 30 % in Andalusien ansteigen könnte. Am Anfang der Krise, im April 2020, wurde bereits ein Verlust von versicherungspflichtigen Arbeitsplätzen in Höhe von 6,6 % verzeichnet. Dabei leiden am stärksten die Arbeitnehmer in der Provinz Málaga. Dort ist nach Ausbruch der Corona-Pandemie die Zahl der Anträge auf Arbeitslosengeld mit 19,7 % förmlich explodiert. Auch Die Provinzen Córdoba und Jaén liegen mit ihrer Arbeitslosenquote weit über 17 %. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die autonome Gemeinschaft Andalusien etwa 13% des nationalen Bruttoinlandsproduktes repräsentiert und der Dienstleistungssektor allein schon 73,5 % davon ausmacht.

Strukturelle Arbeitslosigkeit

Die autonome Gemeinschaft von Andalusien muss sich eingestehen, dass bereits zum Zeitpunkt des Eintretens der Coronakrise die Wirtschaft unter dem Potenzial Spaniens lag. Und das, obwohl die Arbeitsreform von 2012 einige notwendige Dinge reguliert hat. So wurde beispielsweise die Verkettung von Zeitarbeitsverträgen begrenzt sowie das Recht auf Schulung der Beschäftigten anerkannt, mit dem Ziel, eine stabile Beschäftigung der Arbeitnehmer zu erleichtern. Weiterhin konnten Unternehmen mit weniger als 50 Beschäftigten, die übrigens die Mehrheit der spanischen Betriebe ausmachen, mit steuerlichen Vergütungen beim Abschluss neuer Langzeitverträge rechnen. Hierzu zählen insbesondere unbefristete Arbeitsverträge für Jugendliche, Frauen und Langzeitarbeitslose.

Nichts desto trotz hat die Ankunft von Covid-19 und die damit verbundenen notwendigen Schutzmaßnahmen zum Wohl der Gesundheit der Menschen negative Auswirkungen auf die Wirtschaft, insbesondere in einer angeschlagenen Region wie Andalusien. Erstaunlicher Weise steht die Regierung der autonomen Gemeinschaft dem Ganzen nahezu positiv entgegen. Nach Meinung der Wirtschaftsberater ist „die gegenwärtige Krise“ eher zyklisch. Man spekuliert, dass die produktive Fähigkeit nach der Pandemie wiedererlangt wird, um erneuten Wohlstand zu erzeugen. Die Spanische Wirtschaft konnte immerhin seit der Krise im Jahr 2008 positive BIP-Ergebnisse vorweisen. Die Zentralregierung wurde trotz dessen aufgefordert, einen Rettungsplan für den Tourismussektor umzusetzen: “Es handelt sich um eine Maßnahme, die notwendig ist, um einen für Andalusien und Spanien so wichtigen Sektor zu helfen”.

2019

Fast sieben Punkte Unterschied in der Arbeitslosenquote: dies ist der prozentuale Abstand, den die andalusische Wirtschaft vom spanischen Durchschnitt trennt. Eine Kluft, die erklärt, warum das Risiko von Ausgrenzung und Armut in andalusischen Haushalten größer ist als in anderen autonomen Gemeinschaften.

Die Daten der Economically Active Population Survey (EPA) für das letzte Quartal 2018, die Andalusien mit einer Arbeitslosenquote von 21,26 Prozent ausweisen, macht es möglich, die “Karte der Arbeitslosigkeit”, die die Exekutive von Juan Manuel Moreno von den sozialistischen Regierungen erbt, genau zu zeichnen.

Konkret wurde die andalusische Arbeitslosenquote im Jahr 2018 um mehr als drei Punkte gesenkt. Dennoch: Andalusien liegt noch immer 6,86 Punkte hinter dem spanischen Durchschnitt. Lediglich Extremadura, Ceuta und Melilla schneiden noch schlechter ab. Trotzdem muss man festhalten: Die Situation hat sich in den letzten fünf Jahren leicht verbessert. Als Susana Díaz den Stab von José Antonio Griñán übernahm, betrug dieser Abstand mehr als 10 Punkte.

Für junge Andalusier jedoch bleibt die Situation dramatisch: mit 45,09% Arbeitslosigkeit gibt es hier nur eine Verbesserung um 1 Punkt im Vergleich zum Vorquartal. National betrachtet liegt diese Quote 11,5 Punkte höher als im Rest von Spanien.

Fazit: Jeder vierte spanische Arbeitslose hält sich in Andalusien auf. 14% der insgesamt 834.300 andalusischen Arbeitslosen sind junge Menschen unter 25 Jahren. Im Hinblick auf diese Zahlen warnte der neue Arbeitsminister Rocío Blanco vor “Triumphalismus” anlässlich der Verbesserungen.