Von der Nähmaschine der Mutter bis zu 40.000 Followern: Wie zwei Schwestern aus Sevilla eine exklusive Swimwear-Marke aufgebaut haben.

Während andere in der Pandemie Bananenbrot backten oder Makramee knüpften, saßen Reyes und Ángela Queralton an der Nähmaschine ihrer Mutter – und nähten Bikinis. Ohne Ausbildung in Mode, ohne Erfahrung in Schnitttechnik. Nur mit einer klaren Idee: Wir wollen einen Bikini, der gut sitzt, gut aussieht – und den es so noch nicht gibt. Heute heißt diese Idee Quelton – eine Swimwear-Marke aus Sevilla, die mit metallisierten Stoffen, ikonischen Schnitten und einem cleveren Social-Media-Auftritt in kurzer Zeit zehntausende Kundinnen gewonnen hat.

Unternehmerinnen aus Überzeugung

Dass die beiden heute Gründerinnen sind, ist kein Zufall. Die Familie Queralton blickt auf über 130 Jahre Unternehmertum zurück. „Unsere Weihnachtsessen waren eigentlich Vorstandssitzungen“, erzählt Ángela lachend. Während ihre Freundinnen Skiurlaub machten, verbrachten sie ihre Ferien in der Familienfirma. Der Wunsch, selbst Unternehmerinnen zu werden, war früh da – aber der konkrete Auslöser kam erst 2020.

Die Pandemie als Startschuss

Wie so viele junge Menschen waren Reyes und Ángela im Lockdown frustriert. Sie suchten nach einem Bikini, der gut sitzt, nicht langweilig aussieht – und nicht aussieht wie jeder andere im Online-Shop. Sie fanden keinen. Also holten sie die Nähmaschine hervor. YouTube lieferte die Schnitte, Online-Shops die Stoffe – und Instagram die ersten Kundinnen. „Wenn wir uns heute diese ersten Bikinis anschauen, fragen wir uns wirklich, warum irgendwer sie gekauft hat“, sagt Reyes lachend. Aber sie wurden gekauft. Und immer mehr Frauen fragten nach.

Der Durchbruch kam aus Brasilien

2021 fanden sie in Madrid zwei Schneider, die ihr Handwerk in Brasilien, einer Hochburg für Bademode, gelernt hatten. Gemeinsam entwickelten sie den Schnitt, der heute als das Quelton-Markenzeichen gilt. Gleichzeitig erkannten sie: Maßanfertigungen für jede Kundin sind kein skalierbares Geschäftsmodell. Wer wachsen will, braucht Kollektionen. Sie begannen, kleine Serien zu produzieren – schnell lieferbar, stark inszeniert auf Social Media – und trafen genau den Nerv ihrer Zielgruppe.

Abschied von der Familienfirma – und alles auf eine Karte

Im Sommer 2025 kam der große Schritt: Die beiden verließen das sichere Familienunternehmen und setzten alles auf Quelton. „Das war emotional schwierig – aber notwendig“, sagen sie. Kurz darauf zogen sie nach Valencia in die Startup-Schmiede Lanzadera von Juan Roig (Mercadona), wo sie heute ihre Marke professionell weiterentwickeln. Von Produktdesign über Branding bis zu Finanzplanung – dort wurde aus einer Instagram-Idee ein echtes Unternehmen.

Exklusivität statt Massenware

Quelton ist bewusst keine Fast-Fashion-Marke. Jede Kollektion erscheint nur einmal. Keine Nachproduktion. Keine Restocks. Pro Modell gibt es rund 200 Stück, pro Kollektion etwa zwölf Designs. Wer seinen Bikini verpasst, muss bis zum nächsten Jahr warten. Das macht Quelton nicht nur begehrlich – sondern auch perfekt für Social Media. Die Marke zählt inzwischen über 40.000 Follower auf Instagram und TikTok. „Unsere Kundinnen tragen Quelton auch ein bisschen als Statement“, sagen die Gründerinnen. „Man erkennt unsere Bikinis.“

Andalusisches Label mit internationalem Potenzial

Derzeit verkauft Quelton hauptsächlich in Spanien und Portugal, aber auch erste Bestellungen aus Frankreich, Italien und den USA gehen ein. 2025 lag der Umsatz bereits bei 150.000 Euro. Für 2026 peilen sie eine Verdopplung an.

Was als Pandemie-Hobby in Sevilla begann, ist heute eine der spannendsten jungen Modemarken aus Andalusien – und ein weiteres Beispiel dafür, wie digitale Sichtbarkeit, gutes Design und Unternehmergeist neue Wege eröffnen.