Der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez reist am Freitag in den Süden des Landes, um sich ein Bild von den schweren Schäden zu machen, die das Sturmtief „Leonardo“ in Andalucía angerichtet hat. Besonders betroffen ist die Provinz Cádiz, wo heftige und langanhaltende Regenfälle Flüsse über die Ufer treten ließen, Straßen unpassierbar machten und ganze Wohngebiete unter Wasser setzten.

Geplant ist zunächst ein Überflug per Hubschrauber über die am stärksten betroffenen Zonen. Aus der Luft will sich der Regierungschef einen Überblick über überflutete Landstriche, beschädigte Verkehrswege und die Situation entlang kritischer Infrastrukturen verschaffen. Im Anschluss besucht er das sogenannte Puesto de Mando Avanzado im Ort San Roque. Dort laufen die Einsatzfäden zusammen: Vertreter von Katastrophenschutz, Militär, Polizei, Feuerwehr sowie regionale und kommunale Behörden koordinieren hier Rettungsmaßnahmen, Evakuierungen und die Versorgung der Bevölkerung.

Nach Gesprächen mit den operativen Einsatzleitungen will Sánchez die Bevölkerung über die nächsten Schritte informieren. Im Mittelpunkt stehen dabei die Bewertung der Schäden, die Sicherung gefährdeter Gebiete und mögliche staatliche Hilfen für Betroffene. Gerade in ländlichen Regionen, in denen Landwirtschaft und Viehzucht eine große Rolle spielen, sind die materiellen Verluste erheblich. Überflutete Felder, zerstörte Bewässerungssysteme und beschädigte Wirtschaftswege bedrohen die Existenz vieler Betriebe.

Tausende Menschen mussten ihre Häuser verlassen

Obwohl sich die Wetterlage am Freitag etwas beruhigt hat, ist die Situation vielerorts weiterhin angespannt. Rund 7.000 Menschen sind nach wie vor evakuiert. Besonders kritisch ist die Lage in Gebieten entlang größerer Flussläufe wie dem Guadalquivir sowie in kleineren Tälern, wo sich Regenwasser staut und nur langsam abfließen kann. Einsatzkräfte überwachen Deiche und Dämme rund um die Uhr, da die Böden durch die anhaltenden Niederschläge stark gesättigt sind und zusätzliche Regenfälle schnell zu neuen Überflutungen führen könnten. Viele Evakuierte sind vorübergehend in Sporthallen, Gemeindesälen oder bei Verwandten untergebracht. Hilfsorganisationen verteilen Lebensmittel, Decken und Hygieneartikel. Psychologische Betreuung wird ebenfalls angeboten, da der plötzliche Verlust des eigenen Zuhauses oder die Angst vor weiteren Schäden viele Menschen stark belastet.

Ausnahmezustand in Grazalema

Besondere Aufmerksamkeit gilt der Gemeinde Grazalema. Der Ort, der ohnehin als eine der regenreichsten Gegenden Spaniens gilt, wurde vollständig evakuiert. Der Grund ist nicht nur oberflächliches Hochwasser, sondern vor allem die enorme Menge an Wasser, die sich im Untergrund gesammelt hat. Experten befürchten Bodeninstabilitäten und mögliche Hangrutschungen. Häuser, Straßen und Versorgungsleitungen könnten dadurch zusätzlich gefährdet sein, selbst wenn der Regen vorübergehend nachlässt.

Für die Bewohner bedeutet das eine besonders unsichere Lage: Wann eine Rückkehr möglich ist, lässt sich derzeit kaum abschätzen. Technische Teams prüfen fortlaufend den Zustand des Untergrunds und bewerten das Risiko weiterer Schäden.

Schulen öffnen wieder – aber Vorsicht bleibt

Trotz der angespannten Gesamtlage gibt es erste Anzeichen einer Normalisierung. In weiten Teilen Andalusiens öffnen die Schulen wieder, nachdem sie vorsorglich geschlossen worden waren. Dennoch rufen die Behörden zur Vorsicht auf: Zahlreiche Nebenstraßen sind noch gesperrt, Brücken wurden beschädigt, und nicht überall ist die Strom- und Wasserversorgung vollständig stabilisiert. Meteorologen warnen zudem, dass die Böden kaum noch Wasser aufnehmen können. Selbst moderate Regenfälle könnten daher erneut zu Problemen führen. Die Bevölkerung wird gebeten, Warnmeldungen zu verfolgen, unnötige Fahrten zu vermeiden und abgesperrte Bereiche nicht zu betreten.

Politisches Signal und Hilfsperspektiven

Der Besuch von Pedro Sánchez hat neben der praktischen auch eine starke symbolische Bedeutung. Er signalisiert die Unterstützung der Zentralregierung für die betroffenen Regionen. In den kommenden Tagen dürfte es um konkrete Hilfspakete gehen – etwa um finanzielle Unterstützung für beschädigte Wohnungen, Infrastrukturreparaturen sowie Hilfen für Unternehmen und landwirtschaftliche Betriebe.

Klar ist: Auch wenn das Wetter vorübergehend ruhiger erscheint, wird Andalusien noch Wochen mit den Folgen des Sturms zu kämpfen haben. Aufräumarbeiten, Schadensbegutachtungen und Wiederaufbau werden Zeit brauchen – ebenso wie die Rückkehr zu einem normalen Alltag für tausende betroffene Familien.