Andalusien steht unter massivem Wetterdruck: Das Sturmtief Leonardo bringt Regenmengen, wie sie selbst in einem niederschlagsreichen Winter ungewöhnlich sind. Während die rote Warnstufe nur punktuell greift, bleibt praktisch die gesamte Region unter Warnstufe Orange. Die Kombination aus Starkregen, stürmischen Böen und bereits gesättigten Böden sorgt für eine Lage, die Einsatzkräfte und Behörden in höchste Alarmbereitschaft versetzt.

Im Zentrum der Sorge stehen nicht nur die aktuellen Niederschläge, sondern vor allem das, was auf bereits vollgesogene Landschaften trifft. Viele Böden können kaum noch Wasser aufnehmen – jeder weitere Regenschauer fließt direkt oberflächlich ab, sammelt sich in Senken, drückt in Unterführungen, Keller und Erdgeschosse und lässt kleine Bäche binnen Minuten zu reißenden Strömen anschwellen.

Tausende Menschen vorsorglich in Sicherheit

Mehr als 3.000 Menschen wurden aus gefährdeten Bereichen evakuiert. Betroffen sind vor allem Zonen nahe Flussläufen, in Überschwemmungsgebieten und in tiefer liegenden Stadtteilen der Provinzen Cádiz, Málaga und Jaén. Die Behörden sprechen ausdrücklich von präventiven Maßnahmen – viele dieser Orte kennen die Dynamik plötzlicher Hochwasser aus früheren Unwettern.

Menschen wurden in Sporthallen, kommunalen Gebäuden oder bei Angehörigen untergebracht. Besonders gefährdet sind Siedlungen entlang kleinerer Nebenflüsse, die normalerweise harmlos wirken, sich bei Starkregen aber in kürzester Zeit in unberechenbare Wasserläufe verwandeln können.

Handys als Warnsirene der Neuzeit

Viele Bewohner wurden direkt über ihre Mobiltelefone gewarnt. Über das zivile Warnsystem gingen Notfallmeldungen an Dutzende Gemeinden. Darin forderten die Behörden, unnötige Wege zu unterlassen, Fahrzeuge nicht in überfluteten Bereichen zu bewegen und sich von Flussufern, Barrancos und Unterführungen fernzuhalten. Schon wenige Zentimeter fließendes Wasser können ausreichen, um ein Auto die Kontrolle verlieren zu lassen.

Gleichzeitig beobachten Einsatzleitungen Pegelstände in Echtzeit. Steigen Flüsse schneller als prognostiziert, können zusätzliche Evakuierungen kurzfristig nötig werden.

Straßen, Häfen und Verbindungen unter Druck

Die Auswirkungen sind im gesamten Verkehrsnetz spürbar. Dutzende Straßen mussten gesperrt werden – wegen überfluteter Fahrbahnen, Geröll, Schlamm oder umgestürzter Bäume. Besonders in hügeligen und bergigen Regionen sorgen aufgeweichte Böden für Rutschungen. Selbst Strecken, die tagsüber noch passierbar waren, können innerhalb kurzer Zeit unbefahrbar werden.

Auch an der Küste zeigt sich die Wucht des Sturms. Starke Böen und hoher Wellengang erschweren den Schiffsverkehr, einzelne Hafenbereiche wurden zeitweise geschlossen. Fähren und kleinere Boote bleiben aus Sicherheitsgründen im Hafen.

In der Sierra Nevada verschärfen Höhe und Topografie die Situation. Starke Böen, dichter Nebel und intensive Niederschläge schränken die Sicht massiv ein. Wasser schießt über Berghänge ab, sammelt sich auf Straßen und kann Geröll mitreißen. Zufahrten in höhere Lagen waren zeitweise nur eingeschränkt nutzbar, einzelne Abschnitte wurden gesperrt.

Behörden raten dringend davon ab, zu touristischen Ausflügen oder Wanderungen in höhere Regionen aufzubrechen. Das Wetter kann dort innerhalb weniger Minuten umschlagen – was unten wie ein kräftiger Regenschauer wirkt, bedeutet oben oft Sturm, Kälte und Nullsicht.

Paradoxer Effekt: Die Stauseen füllen sich rasant

Während lokal Überflutungsgefahr herrscht, verzeichnen Spaniens Wasserreservoirs gleichzeitig einen außergewöhnlichen Anstieg. Die jüngsten Regenfälle haben die Stauseen landesweit stark gefüllt. Innerhalb kurzer Zeit ist ein enormes Wasservolumen hinzugekommen – ein historischer Zuwachs, wie er seit Jahrzehnten nicht mehr registriert wurde.

Das ist langfristig eine gute Nachricht für Wasserversorgung und Landwirtschaft, kurzfristig erhöht es jedoch den Druck auf das Management der Talsperren. Um genügend Puffer für weitere Regenfälle zu schaffen, lassen Betreiber kontrolliert Wasser ab. Diese Maßnahmen sind notwendig, können aber unterhalb der Dämme zusätzliche Pegelanstiege verursachen, weshalb Flussabschnitte besonders genau überwacht werden.

Warum Leonardo so gefährlich ist

Fachleute betonen, dass nicht nur die reine Regenmenge das Problem darstellt. Entscheidend ist die Kombination aus:

  • langanhaltenden Niederschlägen über Wochen
  • vollständig gesättigten Böden
  • bereits hohen Fluss- und Stauseepegeln
  • weiteren Regengebieten, die nachrücken

Dadurch steigt das Risiko sogenannter Sturzfluten. Wasser sammelt sich oberflächlich und schießt in kurzer Zeit durch Ortschaften, selbst wenn dort kein großer Fluss verläuft.

Klare Empfehlung der Behörden

Die wichtigste Maßnahme bleibt Vorsicht. Fahrten sollten auf das Nötigste beschränkt werden. Wer in gefährdeten Zonen lebt, sollte Notfallhinweise verfolgen, wichtige Dokumente griffbereit halten und Keller oder tiefer liegende Räume im Blick behalten. Spaziergänge entlang von Flüssen oder in ausgetrocknet wirkenden Bachbetten sind derzeit besonders riskant – genau dort entstehen oft plötzlich reißende Wassermassen.

Leonardo ist damit weit mehr als ein gewöhnliches Wintertief. Andalusien ist wettererprobt – doch diese Lage verlangt Aufmerksamkeit, Geduld und das konsequente Befolgen offizieller Hinweise.