Ein neues Bad, eine moderne Küche, neue Böden oder gleich die komplette Renovierung der Wohnung: An der Costa del Sol wird ständig gebaut und renoviert. Das Angebot an Handwerkern und Renovierungsfirmen ist entsprechend groß – und gerade über Facebook-Gruppen, WhatsApp oder persönliche Empfehlungen findet sich oft erstaunlich schnell jemand, der Zeit hat und ein attraktives Angebot macht.

Meistens geht das gut. Aber ebenso regelmäßig begegnen einem an der Küste die anderen Geschichten: Termine werden nicht eingehalten, Arbeiten ziehen sich über Wochen oder Monate, vereinbarte Materialien werden kurzfristig ausgetauscht, Mängel bleiben bestehen – oder nach Abschluss der Renovierung muss ein zweiter Handwerker kommen, um zu reparieren, was der erste hinterlassen hat. Was kann man tun, wenn es passiert? Und noch wichtiger: Wie lässt sich das Risiko bereits vor der Beauftragung reduzieren?

Ein günstiges Angebot ist noch kein guter Auftrag

Das erste Problem entsteht oft lange bevor der erste Hammer geschwungen wird. Angebote für Renovierungsarbeiten sind nicht immer so detailliert, wie sie sein sollten. „Badezimmer komplett renovieren: 5.000 Euro“ klingt zunächst eindeutig. Ist es aber nicht.

Welche Fliesen sind enthalten? Welche Armaturen? Wer kauft das Material? Welche Arbeiten gehören genau zum Preis? Was passiert, wenn zusätzliche Arbeiten notwendig werden? Wann beginnt die Renovierung und wann soll sie abgeschlossen sein? Wer haftet für Schäden? Je mehr davon nur mündlich oder per WhatsApp besprochen wird, desto schwieriger wird es später, sich darauf zu berufen.

Vor allem bei größeren Arbeiten sollte deshalb möglichst konkret schriftlich festgehalten werden:

  • vollständiger Name und Firmendaten des Auftragnehmers
  • genauer Leistungsumfang
  • vereinbarte Materialien und Produkte
  • Gesamtpreis und mögliche Zusatzkosten
  • Zahlungsplan
  • Beginn und möglichst auch vorgesehene Dauer der Arbeiten
  • Umgang mit Änderungen und zusätzlichen Arbeiten

Vorsicht bei hohen Vorauszahlungen

Dass ein Handwerker vor Beginn der Arbeiten Geld für Material benötigt, ist grundsätzlich nichts Ungewöhnliches. Trotzdem sollte man bei hohen Barzahlungen oder sehr großen Vorauszahlungen vorsichtig sein. Jede Zahlung sollte dokumentiert werden. Wer bar bezahlt, sollte auf einer schriftlichen Zahlungsbestätigung bestehen. Noch besser ist eine ordnungsgemäße Rechnung, aus der Unternehmen, Leistung und Betrag eindeutig hervorgehen.

Und auch wenn während einer Renovierung alles freundlich und unkompliziert läuft: Belege, Angebote und WhatsApp-Nachrichten sollte man nicht löschen. Im Streitfall können genau diese Unterlagen entscheidend werden.

Ein Beispiel aus eigener Erfahrung

Wie schnell aus einer überschaubaren Renovierung eine monatelange Geschichte werden kann, musste ich inzwischen selbst erleben. Im Februar 2026 beauftragte ich eine Renovierungsfirma mit einem neuen Badezimmer in meiner Wohnung in Marbella. Vereinbart waren Arbeiten im Wert von insgesamt 5.240 Euro und eine Dauer von ungefähr zehn Arbeitstagen. Bereits während der Renovierung mussten ursprünglich besprochene Lösungen verändert werden. Die Arbeiten selbst wurden von verschiedenen Handwerkern ausgeführt.

Am Ende sah das Badezimmer zunächst gut aus. Das eigentliche Problem zeigte sich erst beim Benutzen: Nach dem Duschen wurde die Wand im direkt angrenzenden Kinderzimmer nass.

In den folgenden Wochen kamen verschiedene Arbeiter, um den Schaden zu untersuchen. Bei einem Termin wurde ein großes Loch in die Wand des Kinderzimmers geschlagen, ohne den Raum vorher ausreichend vor Staub zu schützen. Die Ursache wurde nicht gefunden. Der Arbeiter erklärte, er wolle kurz Plastikfolie besorgen – und kam an diesem Tag nicht zurück. Bei einem weiteren Versuch kamen zwei andere Handwerker. Auch sie konnten die Ursache nicht feststellen. Die Wand wurde wieder verschlossen.

Nach erneuter Benutzung der Dusche war sie wieder nass.

Nach mehr als zwei Monaten erfolgloser Versuche beauftragte ich schließlich auf eigene Kosten einen unabhängigen Klempner. Innerhalb weniger Stunden fand er nach seiner Untersuchung die Ursache: Ein im Zuge der Renovierung installierter Abfluss war nicht korrekt angeschlossen. Er reparierte ihn – seitdem tritt dort kein Wasser mehr aus.

Damit war die Geschichte allerdings noch nicht beendet.

Die beschädigte Wand wurde anschließend ausgebessert und das Kinderzimmer neu gestrichen. Offenbar war die Wand zu diesem Zeitpunkt noch nicht vollständig trocken. Der Feuchtigkeitsfleck ist weiterhin sichtbar und inzwischen löst sich der Putz, sodass erneut Arbeiten notwendig sind. Kurz nach dieser Ausbesserung wurde außerdem ein weiterer Schaden sichtbar, der zuvor durch weiße Spachtelmasse kaum zu erkennen gewesen war: Der Rahmen der Badezimmertür war auf beiden Seiten im Bereich der Fliesenarbeiten eingeschnitten und beschädigt worden. Der Schaden wurde später vom Auftragnehmer persönlich besichtigt und eine Reparatur zugesagt. Der vereinbarte Termin wurde jedoch nicht wahrgenommen; der Türrahmen ist bis heute beschädigt.

Aus den ursprünglich angekündigten rund zehn Arbeitstagen wurde damit eine Angelegenheit, die sich über Monate zog und zusätzliche Kosten verursachte.

Wenn ein Mangel auftaucht: erst dokumentieren, dann reparieren

Der erste Impuls bei einem Wasserschaden oder anderen erheblichen Mangel ist verständlicherweise: möglichst schnell jemanden finden, der ihn beseitigt. Vorher sollte der Zustand jedoch möglichst genau dokumentiert werden. Fotos und Videos sollten nicht nur Nahaufnahmen des Schadens zeigen, sondern auch dessen Position im Raum. Nachrichten an den Handwerker sollten schriftlich erfolgen. Termine, Absagen und Reparaturversuche sollte man ebenfalls festhalten.

Wer einen zweiten Fachmann hinzuzieht, sollte sich möglichst schriftlich bestätigen lassen, welchen Defekt er festgestellt und welche Arbeiten er durchgeführt hat. Auch Rechnungen und Zahlungsbelege gehören selbstverständlich zur Dokumentation.

Dem ursprünglichen Handwerker Gelegenheit zur Nachbesserung geben

Wer später Kosten für eine Reparatur durch einen anderen Betrieb zurückfordern möchte, sollte nicht vorschnell einfach einen zweiten Handwerker beauftragen und dem ersten anschließend die Rechnung schicken. In vielen Fällen ist es sinnvoll, den ursprünglichen Auftragnehmer zunächst schriftlich über die Mängel zu informieren und ihm Gelegenheit zu geben, darauf zu reagieren beziehungsweise die Mängel zu beseitigen.

Scheitern mehrere Nachbesserungsversuche, werden vereinbarte Termine wiederholt nicht eingehalten oder ist das Vertrauen aufgrund des bisherigen Verlaufs nicht mehr vorhanden, sollte man die weitere Vorgehensweise sorgfältig dokumentieren und bei größeren Schäden gegebenenfalls rechtlichen Rat einholen.

Die Hoja de Reclamaciones ist mehr als ein Beschwerdeformular

Verbraucher haben in Andalusien einen offiziellen Beschwerdeweg, der erstaunlich häufig nicht genutzt wird: die Hoja de Quejas y Reclamaciones. Unternehmen und Dienstleister, die Waren oder Dienstleistungen für Verbraucher anbieten, müssen die entsprechenden Beschwerdeformulare grundsätzlich zur Verfügung stellen.

Eine formelle Reklamation ist dabei etwas anderes als eine schlechte Google-Bewertung oder eine verärgerte WhatsApp-Nachricht: Der Unternehmer muss auf eine ordnungsgemäß eingereichte Hoja grundsätzlich innerhalb von zehn Werktagen schriftlich reagieren. Bleibt eine Antwort aus oder ist sie nicht zufriedenstellend, kann die Angelegenheit an die zuständige Verbraucherbehörde weitergeleitet werden.

Seit 2026 steht in Andalusien außerdem das elektronische System Hoj@ zur Verfügung, über das Beschwerden bei teilnehmenden Unternehmen digital eingereicht und gegebenenfalls anschließend an die Verbraucherbehörden übermittelt werden können.

Bei größeren Schäden: Burofax statt WhatsApp

WhatsApp ist hervorragend, um einen Termin zu vereinbaren. Für eine letzte formelle Aufforderung zur Beseitigung eines erheblichen Schadens gibt es allerdings bessere Möglichkeiten. In Spanien wird dafür häufig ein Burofax con acuse de recibo y certificación de texto verwendet. Damit lässt sich später nachweisen, wann ein Schreiben zugestellt wurde und welchen Inhalt es hatte.

In einem solchen Schreiben sollte möglichst sachlich festgehalten werden:

  • welcher Auftrag erteilt wurde
  • welcher Schaden oder Mangel besteht
  • welche Nachbesserungsversuche bereits erfolgt sind
  • was konkret verlangt wird
  • welche angemessene Frist dafür gesetzt wird

Bei größeren Schäden oder hohen Forderungen kann es sinnvoll sein, das Schreiben vorab durch einen spanischen Anwalt prüfen zu lassen.

Auch die eigene Versicherung informieren

Gerade bei Wasserschäden sollte auch geprüft werden, ob die eigene Gebäude- oder Hausratversicherung informiert werden muss. Versicherungen können nicht nur bei der Regulierung helfen. Eine professionelle Begutachtung kann später auch wichtig sein, wenn zwischen Auftraggeber und Handwerker Uneinigkeit darüber besteht, woher ein Schaden stammt oder welche Reparaturen notwendig sind.

Vorher recherchieren – nicht erst nach dem Schaden

Vielleicht ist das die wichtigste Erkenntnis überhaupt. Viele beginnen erst intensiv zu recherchieren, wenn etwas schiefgegangen ist. Dann findet man plötzlich alte Facebook-Beiträge, Bewertungen oder andere Kunden mit ähnlichen Erfahrungen. Besser ist es, diese Recherche vor der ersten Zahlung zu machen. Dazu gehört nicht nur die Suche nach dem Namen eines Unternehmens bei Google. Auch der Name des Geschäftsführers oder Handwerkers, frühere Firmennamen, lokale Facebook-Gruppen und spanische Unternehmensregister können zusätzliche Hinweise liefern. Gleichzeitig sollte man einzelne negative Bewertungen genauso wenig überbewerten wie ausschließlich perfekte Fünf-Sterne-Bewertungen. Entscheidend ist das Gesamtbild.

Warum Öffentlichkeit trotzdem wichtig sein kann

Bei Renovierungsschäden entsteht häufig ein wirtschaftliches Problem: Der Schaden kann groß genug sein, um ausgesprochen ärgerlich zu sein – aber gleichzeitig zu klein, um mehrere Tausend Euro in ein Gerichtsverfahren investieren zu wollen. Auch deshalb ist der Austausch zwischen Verbrauchern wichtig.

Im Zusammenhang mit dem oben geschilderten eigenen Fall haben sich inzwischen mehrere weitere Personen gemeldet, die von eigenen Problemen mit demselben Anbieter berichten. Wir stehen miteinander in Kontakt und tauschen Erfahrungen und Dokumentationen aus. Die jeweiligen Fälle können und sollen hier nicht pauschal bewertet werden – jeder muss für sich betrachtet werden.

Solche Kontakte zeigen aber, warum sachliche öffentliche Erfahrungsberichte einen Wert haben können. Nicht als digitale Vorverurteilung und nicht als Ersatz für Behörden oder Gerichte, sondern als Information für andere Verbraucher.

Wer schlechte Erfahrungen öffentlich schildert, sollte deshalb möglichst konsequent bei dem bleiben, was er selbst erlebt und dokumentiert hat. Tatsachen und persönliche Bewertungen sollten klar voneinander getrennt werden. Beleidigungen, Spekulationen über Motive oder strafrechtliche Vorwürfe haben in einem seriösen Erfahrungsbericht nichts verloren.

Die wichtigste Regel: Alles dokumentieren

Eine Renovierung lebt von Vertrauen. Trotzdem sollte Vertrauen nicht bedeuten, auf Dokumentation zu verzichten. Ein detailliertes Angebot, nachvollziehbare Zahlungen, Fotos, Rechnungen und schriftliche Absprachen wirken möglicherweise übervorsichtig, solange alles gut läuft. Wenn etwas schiefgeht, sind sie unbezahlbar.