Die diesjährige Olivenernte in Spanien steht unter einem denkbar schlechten Stern. Nach einem mehr als einmonatigen, witterungsbedingten Stillstand sind die Olivenbauern in Andalusien zwar auf ihre Felder zurückgekehrt – doch was sie dort vorfanden, ist vielerorts verheerend: überflutete Haine, im Schlamm versunkene Oliven und massive Ernteverluste.

Bis zu 40 Prozent weniger Ertrag

Besonders hart trifft es die Provinz Jaén, das weltweite Zentrum der Olivenölproduktion. Auf einer rund 200 Hektar großen Finca zwischen Úbeda und Sabiote rechnete man ursprünglich mit etwa 700.000 Kilogramm Oliven. Nun dürfte die Erntemenge um rund 40 Prozent geringer ausfallen, berichtet der Olivenbauer Luis Colmenero gegenüber der Nachrichtenagentur EFE. Nach Schätzungen von Cooperativas Agro-alimentarias sind in Jaén noch etwa 40 Prozent der Ernte nicht eingebracht. In anderen Regionen wie Katalonien, Kastilien-La Mancha oder Extremadura gilt die Kampagne dagegen bereits als beendet.

Oliven im Schlamm – kaum Zugang zu den Feldern

In vielen Anbaugebieten ist der Zugang zu den Plantagen weiterhin unmöglich. Selbst geländegängige Fahrzeuge bleiben im aufgeweichten Boden stecken. Wo eine Einfahrt möglich ist, müssen Arbeiter die Oliven mühsam mit Rechen aus dem Schlamm bergen. Eine Stichprobe der Genossenschaften in Jaén zeigt das Ausmaß der Verluste: Statt der ursprünglich von der Junta de Andalucía prognostizierten 475.000 Tonnen Olivenöl dürften am Ende kaum 400.000 Tonnen erreicht werden. Rund 75.000 Tonnen Öl könnten somit verloren gehen. Ältere Landwirte sprechen von der schlimmsten Situation seit rund 80 Jahren.

Qualität leidet: Mehr Lampant-Öl erwartet

Neben der geringeren Menge bereitet den Produzenten auch die Qualität Sorgen. Ein Großteil der noch zu verarbeitenden Oliven stammt vom Boden – häufig feucht, beschädigt oder bereits angegoren. Das daraus gewonnene Öl wird überwiegend als sogenanntes Lampant-Öl eingestuft, eine niedrigere Qualitätskategorie, die vor dem Verzehr raffiniert werden muss. Damit drohen nicht nur Ertragseinbußen, sondern auch geringere Erlöse.

Hoffnung auf steigende Preise

Die andalusische Bauernorganisation UPA Andalucía geht davon aus, dass die geringere Produktion zu steigenden Erzeugerpreisen führen wird. Als „vernünftige Untergrenze“ für wirtschaftlich arbeitende Betriebe nennt man dort fünf Euro pro Kilogramm Olivenöl aus traditionellem Anbau. Ob höhere Preise jedoch die Verluste vollständig ausgleichen können, bleibt offen – zumal viele Betriebe zusätzlich mit gestiegenen Kosten durch die verlängerte Erntekampagne kämpfen.

Milliardenhilfen von Staat und Region

Die landwirtschaftlichen Verbände begrüßen grundsätzlich die angekündigten Hilfsmaßnahmen. Die spanische Regierung will mehr als 2,1 Milliarden Euro an Direktbeihilfen für den Agrarsektor mobilisieren, hinzu kommen über 600 Millionen Euro für die Instandsetzung ländlicher Wege sowie steuerliche und arbeitsrechtliche Erleichterungen. Unter anderem wird die Mindestzahl der Arbeitstage für den Zugang zum Agrarsubventionssystem deutlich gesenkt.

Auch die Regionalregierung Andalusiens stellt rund eine Milliarde Euro bereit. Etwa 700 Millionen Euro sollen direkt an mehr als 33.000 landwirtschaftliche Betriebe fließen, weitere 300 Millionen Euro sind für die Wiederherstellung von Infrastruktur und Bewässerungssystemen vorgesehen.

Der Generalsekretär von COAG Andalucía, Juan Luis Ávila, kündigte an, man werde genau darauf achten, dass die Hilfsgelder vor allem bei jenen Betrieben ankommen, die besonders schwere Schäden erlitten haben. Die aktuelle Kampagne zeigt einmal mehr, wie stark der Olivenanbau – und damit ein zentraler Wirtschaftszweig Spaniens – von extremen Wetterereignissen abhängt. Für viele Betriebe geht es in diesem Jahr nicht nur um geringere Gewinne, sondern um ihre wirtschaftliche Existenz.