Im seit Monaten laufenden Verfahren vor dem Tribunale di Cagliari auf Sardinien werden an diesem Donnerstag die Spanierin Juana Rivas und ihr ältester Sohn als Zeugen erwartet. Angeklagt ist Rivas’ Ex-Partner, der Italiener Francesco Arcuri. Ihm werden körperliche und psychische Misshandlungen der gemeinsamen Kinder vorgeworfen.

Schwere Vorwürfe – und ein entschiedenes Dementi

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft soll Arcuri seine Söhne massiv beleidigt und herabgewürdigt haben. In der Anklageschrift ist von Beschimpfungen die Rede, er habe sie unter anderem als „widerliche Würmer wie ihre Mutter“ bezeichnet und mit weiteren schweren Beleidigungen überzogen. Das Anwaltsteam von Rivas erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur EFE, die Mutter wolle mit ihrer Aussage die Geschehnisse rekonstruieren und die Inhalte der Anzeige bekräftigen. Zudem solle dargelegt werden, dass insbesondere der jüngere Sohn Gewalt erfahren habe. Dies sei durch ärztliche Atteste und Fotografien dokumentiert.

Arcuri weist die Vorwürfe zurück. Nach einer früheren Anhörung im Oktober bezeichnete er das Verfahren als „Gelegenheit, alles aufzuklären“ und sprach von „falschen Anschuldigungen“. Sein Anwalt hatte beantragt, das Verfahren einzustellen, da die Aussagen der Kinder einseitig und nicht verlässlich seien. Das Gericht sah jedoch keine Voraussetzungen für eine Einstellung und ließ die Anklage zu.

Getrennte Verfahren in Italien und Spanien

Der Prozess in Cagliari ist rechtlich unabhängig von einem weiteren Verfahren in Spanien. Dort wirft Arcuri seiner Ex-Partnerin Kindesentziehung vor. Hintergrund ist eine gerichtliche Anordnung eines italienischen Gerichts, wonach der jüngere Sohn nach einem Ferienaufenthalt in Spanien zu seinem Vater zurückkehren sollte. Am 30. Oktober wurde Rivas vor einem Gericht in Granada als Beschuldigte vernommen. Sie hatte den heute zwölfjährigen Sohn im Juli auf richterliche Anordnung an den Vater übergeben, nachdem sich das Kind zuvor sieben Monate in Spanien aufgehalten hatte. Arcuri besitzt das Sorgerecht; der Junge lebt derzeit bei ihm in Carloforte auf Sardinien. Die Verteidigung von Rivas spricht von einem „juristischen Labyrinth“ und einem „kafkaesken Kreislauf“, da parallel in zwei Ländern Verfahren geführt werden.

Ein Fall mit langer Vorgeschichte

Der Fall sorgt seit Jahren international für Aufmerksamkeit. Bereits 2018 war Juana Rivas in Spanien wegen Kindesentziehung verurteilt worden. 2021 wurde sie von der spanischen Regierung teilweise begnadigt. Der Ursprung des Konflikts reicht bis in den Sommer 2017 zurück. Damals war Rivas mit ihren beiden Söhnen – damals elf und drei Jahre alt – für einen Monat untergetaucht, um sie nach eigenen Angaben vor mutmaßlicher Gewalt des Vaters zu schützen. Heute ist der ältere Sohn, Gabriel, 19 Jahre alt.

Mit der Aussage von Rivas und ihrem Sohn könnte das Verfahren in Italien nun in eine entscheidende Phase treten. Das Gericht muss klären, ob sich die Vorwürfe der Misshandlung strafrechtlich erhärten lassen – während parallel in Spanien weiterhin über die Frage der Kindesentziehung gestritten wird.